
Es war einmal ein Junge namens Lino, der in einem kleinen Dorf lebte, weit im Norden, wo die Sommer kurz und die Winter lang und leise sind. Gleich hinter dem Dorf begann ein uralter Wald, den die Leute Widarholt nannten – nach einem vergessenen Gott der Stille.
Die Ältesten sagten, dort wohnten noch die alten Wesen: Baumgeister, Moosalben und vielleicht sogar ein kleiner Drache aus der Zeit, als Yggdrasil, der Weltenbaum, noch bis in den Himmel wuchs.
Lino liebte es, allein durch den Wald zu streifen. Eines Tages, als der Wind in den Zweigen ein altes Lied sang, entdeckte er zwischen den Wurzeln einer knorrigen Birke einen seltsam leuchtenden Stein. Er war mit kleinen Runen bedeckt – Zeichen, die Lino noch nie zuvor gesehen hatte.
Als er den Stein aufhob, wurde alles still. Kein Vogel sang, kein Blatt regte sich.
Dann, ganz leise, hörte er eine Stimme, die aus dem Stein zu kommen schien:
„Lino … der Pfad nach Alfheim öffnet sich nur für dich …“
Der Boden unter seinen Füßen begann zu leuchten, und ein feiner Nebel stieg auf – silbern wie Mondlicht. Der Wald war nicht mehr der gleiche.
Fortsetzung folgt…

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